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Vortrag
Studium der Medizin, Klassischen Philologie (Griechisch/Latein) und Rechtswissenschaften in M√ľnchen (LMU), W√ľrzburg und Hamburg.
Ehemals Promotionsstipendiat der Studienstiftung
√Ąrztliche T√§tigkeit an verschiedenen chirurgischen Kliniken
Seit 2014 wiss. Mitarbeiter und Habilitand am Institut f√ľr Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU M√ľnchen mit einem eigenen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef√∂rderten Projekt zur antiken Chirugiegeschichte
Forschungsinteressen: Antike griechisch- römische Medizin, insbesondere antike Chirurgie und Physiologie, Geschichte der medizinischen Ethik, Editionswissenschaft, Überlieferung antiker griechische Texte in arabischen Quellen

Der hippokratische Eid wird zu Recht als das wirkungsm√§chtigste Schriftst√ľck der medizinischen Ethik √ľberhaupt bezeichnet. Bis in die neueste Zeit wird auf ihn Bezug genommen, wenn es um ethische Aspekte √§rztlichen Handelns geht; auch die moderne Bioethik hat Anleihen an ihn genommen. Seit der Antike ist dieses Dokument immer wieder adaptiert und neuinterpretiert worden, um es den jeweils g√ľltigen Zeitverh√§ltnissen anzupassen.
Nicht diese unhistorische Sichtweise des Eides und der sonstigen hippokratischen Ethik soll hier jedoch im Mittelpunkt stehen, sondern die Bedeutung im historischen soziokulturellen Kontext der Verfassungszeit. Insbesondere sollen gerade die Momente hippokratischer Deontologie beleuchtet werden, die modernen Ethikern ‚Äěunbequem‚Äú erscheinen und deshalb gerne √ľbergangen oder wegdiskutiert werden, wie ein unverhohlenes Streben der hippokratischen √Ąrzte nach Reichtum, Ruhm (timńď) und guter Reputation (d√≥xa). Bisweilen werden in den hippokratischen Schriften ‚ÄěRatschl√§ge [gegeben], die wir heute als eines wahren Arztes unw√ľrdig, ja als verantwortungslos betrachten w√ľrden‚Äú (Karl Deichgr√§ber). Wie manche auf den ersten Blick unaltruistisch und nachgerade ‚Äěegoistisch‚Äú anmutende Verhaltensweisen m√∂glicherweise im Kontext archaisch-aristokratischer Standesethik erkl√§rt werden k√∂nnten, soll Gegenstand des Vortrags sein. Auch auf besonders problematische Passagen des Eides, wie das Steinschnitt-, Abtreibungs-, und Euthanasieverbot soll in diesem Zusammenhang eingegangen werden, auch im Licht eines erst k√ľrzlich entdeckten Galenkommentars, der sich nur in arabischer √úbersetzung erhalten hat.
Donnerstag, 19. November 2015, 19:30 Uhr
M018 im LMU Hauptgebäude
       daidalos-kolloquium.de - November 2018