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Daidalos-Kolloquium München
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Prof. Dr. Bettina von Jagow
Frau Prof. von Jagow ist Dorothea-Erxleben-Gastprofessorin am Institut für Germanistik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
Franz Kafka gehört international zu den meistrezipiertesten Autoren der Moderne. In diesem Jahr wäre er am 3. Juli 125 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass ist eine Reihe neuer Titel über den Autor und sein Werk erschienen. Auch der angekündigte Abend möchte den mythenumwobenen deutschsprachigen Prager Juden ins Visier nehmen.

Um die Autorfigur hat sich von Beginn an eine Vielzahl von Geschichten gesponnen – vor allem seit Max Brod Franz Kafkas Werk mit der ersten „Gesamtausgabe“ (1946ff.) einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen wollte, obwohl Kafka seinem besten Freund einmal dessen Vernichtung aufgetragen hatte. Aber schon zuvor hatte Kafka selbst sich und sein Werk facettenreich – über literarische Werke, Briefe und in seinen Tagebüchern – in Szene gesetzt. In seiner Eigentümlichkeit von Kreativität könnte Franz Kafka gemeinhin als „Genie“ gelten, doch ist er den meisten als dunkler, der Welt abgekehrter, introvertierter und schwieriger Autor in Erinnerung. Bedingt durch seine schwere Krankheit (Tuberkulose), aber auch durch die Art, sein Leben und Schreiben existentiell zu vermischen, tritt er oftmals im Bild des Kranken vor Augen.

In dem Abendvortrag wird den unterschiedlichen Spuren des Lebens und Schreibens von Franz Kafka nachgegangen, um die Phasen seiner Kreativität zu analysieren. Im Zentrum steht dabei eine Dekonstruktionsarbeit des Autormythos’ mit folgender Zielrichtung: Der zwanghaft Schreibende und triebhaft Unterdrückte, der Beziehungsunfähige und Muttersohn, schließlich der tragisch Kranke und elend Sterbende wird nicht mehr als passionierter ‚Wahnsinniger’, damit als Krankheiten verfallenes Genie, sondern als scharfer Analytiker vorgestellt, denn über der passio des nächtlichen Schreibens waltet eine ratio des intervenierenden Reflektierens. Eine solche Perspektive eröffnet einen anderen Blick auf die Texte und denjenigen, der hinter den Texten steht: auf einen messerscharf schreibenden Intellektuellen, der die Leidenschaften seines Lebens kühl abwägend als Lebenskünstler erfahrbar gestaltete.

Weiterführend:
- Bettina von Jagow, Oliver Jahraus (Hg.): Kafka-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung. Göttingen 2008.
- Oliver Jahraus: Franz Kafka. Leben, Schreiben, Machtapparate. Stuttgart 2006.
- Andreas B. Kilcher: Franz Kafka. Frankfurt a.M. 2008.
- Claudia Liebrand: Franz Kafka. Neue Wege der Forschung. Darmstadt 2006.
- www.franzkafka.de
Donnerstag, 13. November 2008, 19:30 Uhr
Hörsaal A021 nahe dem Lichthof der LMU im Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1
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